Faroq

Hammond Baraks eine der Flüchtlingsunterkünfte in Mannheim

Ehrenamtliche von „Menschen in Not“ engagieren sich für Flüchtlinge / Fahrradwerkstatt geplant

Vor dem Krieg in Syrien geflohen, hat Apo (22) in Seckenheim eine neue Heimat gefunden. Vor rund sechs Monaten kam er in den Hammonds in Seckenheim an. Gemeinsam mit ehrenamtlichen Helfern aus dem Stadtteil hat er sich dafür eingesetzt, dass in den Gebäuden der ehemaligen Kaserne eine Nähstube eingerichtet wird. Weil ihm die Behörden inzwischen Heilbronn als Aufenthaltsort zugewiesen haben, ist er in Seckenheim nur noch zu Besuch. Doch bei der Eröffnung der neuen Werkstatt gestern wollte er unbedingt dabeisein.

Faroq (22) ist im gleichen Alter und kommt aus Afghanistan. „Deutsch ist nicht schwer“, sagt er. Als einer der ersten zog er im Oktober in die Hammonds. „Ich will in Seckenheim bleiben“, erklärt er. Wenn Landsleute nicht deutsch sprechen, könne er übersetzen, versichert er in – noch – etwas gebrochenem Deutsch. Aber für die Verständigung reicht es. Die Frage nach dem Berufswunsch versteht er allerdings erst nach mehreren Anläufen. Ingenieur wolle er werden, verrät er schließlich. Hasbiye von „Menschen in Not“ hilft ein wenig bei der Kommunikation. „Wir sind eine starke Gemeinschaft“, betont Rüdiger Treutler, der sich ebenfalls in dem Verein engagiert. Er sei ein Nachbar, erzählt er und sprudelt nur so von Ideen, wie man den neuen Mitbewohnern helfen könnte. Eine Kleider- und Spielzeugkammer gibt es schon lange, Spenden dafür nimmt er in seinem Betrieb „Pro Marketing“ entgegen.

Die gestern vorgestellte Nähstube ist ein weiteres Projekt. Einmal in der Woche wird jemand kommen und Interessierte beim Nähen anleiten. Die Nähmaschinen sind allesamt direkt gespendet oder mit Hilfe von Paten finanziert worden, ebenso wie Kurzwaren, Nähseide, Spulen, Nadeln und Scheren. „Wir haben einen Aufruf per Facebook gestartet, und innerhalb von 20 Minuten waren zwölf Paten zusammen“, berichtet Doris Zwillich von „Mannheim sagt Ja“ begeistert von der großen Hilfsbereitschaft.

Von Engagement beeindruckt

Ehrenamtliches Engagement, das auch Janin Gürüz beeindruckt. Sie kümmert sich im Auftrag des Regierungspräsidiums Karlsruhe unter anderem um das Ehrenamt und die Öffentlichkeitsarbeit. „Vielleicht kann man ja noch das eine oder andere talent entdecken“, nennt sie einen weiteren Aspekt der Nähstube, an deren Tür die Ehrenamtlichen nicht ganz unbescheiden ein Schild mit der Aufschrift „Schneiderei“ aufgehängt haben.

„Mannheim ist super aufgestellt“, betont Janin Gürüz, deren Eltern selbst einst als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind. Unterdessen ist es in der Kaserne in Seckenheim in den vergangenen Tagen merklich ruhiger geworden. Rund 200 Flüchtlinge leben derzeit hier, wie Carolin Bison von der Stadt Mannheim dem „MM“ auf Nachfrage erklärt. Das waren schon deutlich mehr. Doch die Situation kann sich ganz schnell wieder ändern. Deshalb setzt man bei der Stadtverwaltung weiter auf Information. Und auf die Gewinnung von ehrenamtlichen Unterstützern.

Mit Treutler und seinem Team ist Seckenheim ein gutes Beispiel. Kaum hat die Schneiderei ihren Betrieb aufgenommen, da geht es schon an die nächsten Ziele. So soll es ein Internet-Café geben, damit die Flüchtlinge leichter Kontakt zu ihren Familien in der Heimat halten können. Im Schifferkinderheim, das in in die Hammonds umziehen soll, will er eine Fahrradwerkstatt einrichten. Und dann schwärmt er noch von einer Idee: Die Nachbarn aus den Hammonds sollen für die anderen Seckenheimer kochen.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 02.04.2016

https://www.morgenweb.de/mannheim/stadtteile/seckenheim/nahstube-in-den-hammonds-fur-apo-aus-syrien-ein-traum-1.2711956

 

ohne Grenzen e.V.

Visit Us On FacebookVisit Us On Twitter